Bündnisse

Beispiel Münchner Ernährungsrat

Exem­pla­risch für den Schul­ter­schluss des Kar­tof­fel­kom­bi­nats mit vie­len ande­ren zivil­ge­sell­schaft­li­chen Initia­ti­ven in Mün­chen ist an die­ser Stel­le vor allem der neu gegrün­de­te Münch­ner Ernäh­rungs­rat zu nen­nen. Er ist ein unab­hän­gi­ges Bünd­nis von Akteur*innen aus den unter­schied­lichs­ten gesell­schaft­li­chen Berei­chen, von Zivil­ge­sell­schaft, Ver­wal­tung und Poli­tik bis hin zu Wirt­schaft, Bil­dung und Wis­sen­schaft. Ziel des Münch­ner Ernäh­rungs­ra­tes ist es, in Mün­chen „ein resi­li­en­tes, gerech­tes und gemein­wohl­ori­en­tier­tes Ernäh­rungs­sys­tem zu eta­blie­ren, durch das sai­so­na­le und regio­na­le Lebens­mit­tel aus fai­rer und ökologischer/nachhaltiger Her­stel­lung sowie art­ge­rech­ter Tier­hal­tung geför­dert wer­den“. Die­se Zie­le unter­stützt das Kar­tof­fel­kom­bi­nat natür­lich voll und ganz, wes­we­gen wir unse­ren Ver­eins­vor­stand Jür­gen Mül­ler (rechts im Bild) zur Zeit ger­ne ent­beh­ren, um das Team des Ernäh­rungs­ra­tes, den er für den KK eV mit initi­iert hat, zu ver­stär­ken.
HIER Hier fin­det Ihr eine Impres­si­on von der Auf­takt­ver­an­stal­tung des Münch­ner Ernäh­rungs­ra­tes am 13. März 2019.

Konzernfreie IT

Die Digi­ta­li­sie­rung all unse­rer Lebens­be­rei­che wird mas­siv poli­tisch, öko­no­misch und medi­al vor­an­ge­trie­ben. Gleich­zei­tig kon­zen­trie­ren sich die dar­aus ent­ste­hen­de Flut an Daten – pro­pa­giert als „wert­volls­ter Roh­stoff“ des 21. Jahr­hun­derts – über jeden ein­zel­nen Aspekts unse­res Lebens in den Hän­den immer grö­ßer wer­den­der IT-Kon­zer­ne im Sili­con Val­ley. Und die­se Hand­voll Kon­zer­ne nut­zen und per­fek­tio­nie­ren die Daten­nut­zung mit­hil­fe von Künst­li­cher Intel­li­genz im Sin­ne ihrer Grund­lo­gik – aus Geld mehr Geld zu machen, damit aus Macht mehr Macht zu machen und damit aus Kon­trol­le über die Men­schen bzw. “glä­ser­nen Kon­su­men­ten” mehr Kon­trol­le zu machen. Auch ange­sichts des welt­wei­ten (Wieder-)Aufkommens auto­ri­tä­rer poli­ti­scher Bewe­gun­gen, ist die­se fort­wäh­ren­de Kon­zen­tra­ti­on von Daten besorg­nis­er­re­gend. Denn was pas­siert in einer nicht so unwahr­schein­li­chen Zukunft, wenn auto­ri­tä­re Staa­ten die­se Kon­zer­ne dazu zwin­gen, ihre akku­mu­lier­te Fül­le an Daten mit ihnen zu tei­len, um den Weg für all­ge­gen­wär­ti­ge staat­li­che Über­wa­chung und Kon­trol­le der Bürger*innen frei zu machen? His­to­risch betrach­tet waren Staa­ten und Kon­zer­ne bzw. poli­ti­sche und öko­no­mi­sche Macht schon immer eng mit­ein­an­der ver­bun­den. All das wirft Fra­gen und Her­aus­for­de­run­gen auf, die wir heu­te nur ansatz­wei­se erah­nen können.

Der Ver­ein ver­sucht hier einen ers­ten Schritt zu machen, indem er eine kon­zern­freie IT-Infra­struk­tur för­dern und für immer mehr Men­schen ver­füg­bar machen will. Denn Open Source Soft­ware gibt es ja, sie muss nur genutzt wer­den. So set­zen wir bei­spiels­wei­se beim KK-Forum und bei unse­rer Mit­glie­der­ver­wal­tung kon­se­quent auf Open-Source Soft­ware, und nut­zen die­se ganz KK-kon­form kon­zern­frei.
Bei unse­rem Sola­wi-Netz­werk­tref­fen ent­stand die Visi­on, ein Open Source Soft­ware-Paket zu schnü­ren, um ande­ren soli­da­risch land­wirt­schaf­ten­den Orga­ni­sa­tio­nen Werk­zeu­ge für Ihre Arbeit an die Hand geben zu können. 

Zudem wol­len wir Ver­an­stal­tun­gen durch­füh­ren, um den Zugang zu und die Vor­tei­le von Open-Source-Soft­ware einer brei­te­ren Öffent­lich­keit zugäng­lich zu machen, z.B. im Rah­men unse­rer Kar­tof­fel­ka­de­mie oder als Workshop.

Open Source Soft­ware ist manch­mal anders, manch­mal bes­ser und manch­mal schlech­ter als die eta­blier­ten Kon­zern-Soft­wares. Aber ange­sichts der oben beschrie­be­nen Ent­wick­lun­gen soll­ten wir uns zwei­mal über­le­gen, ob weni­ger Bequem­lich­keit und Nut­zungs­mög­lich­kei­ten nicht doch ein annehm­ba­rer Preis ist. 

Initiator neuer Netzwerke

Im März 2019 fand das ers­te Netz­werk­tref­fen mit Ver­tre­tern von „soli­da­risch land­wirt­schaf­ten­den“ Genos­sen­schaf­ten für einen Zeit­raum von 3 Tagen statt. Ver­tre­ten waren Kar­tof­fel­kom­bi­nat (seit 2012), Bio­top Ober­land aus Leng­gries (seit 2015), dem Wir­Gar­ten Lüne­burg (seit 2017), der Koope­ra­ti­ve aus Frank­furt (seit 2018), Plan­tA­ge aus Ber­lin (seit 2019), die Soli­dar­re­gi­on Pforzhein-Enz, SoLa­Wi beim Kainzlbau­er aus Bad Endorf sowie das Regio­nal­kol­lek­tiv aus Lands­hut. Ziel des Netz­werk­tref­fens war es sich per­sön­lich ken­nen­zu­ler­nen, sich von den unter­schied­li­chen Ansät­zen und Ent­wick­lungs­schrit­ten der Genos­sen­schaf­ten inspi­rie­ren zu las­sen und sich über mög­li­che zukünf­ti­ge Koope­ra­ti­ons­fel­der aus­zu­tau­schen. Orga­ni­siert und ein­ge­la­den hat­te der Kar­tof­fel­kom­bi­nat-Ver­ein mit groß­zü­gi­ger finan­zi­el­ler Unter­stüt­zung von RENN.süd.

Das Fazit die­ses ers­ten Netz­werk­tref­fens war durch und durch posi­tiv. Es wur­den vie­le neue Freund­schaf­ten geknüpft und es wur­de ver­ab­re­det, eine Online-Platt­form für den akti­ven Aus­tausch unter den Netzwerkteilnehmer*innen auf­zu­set­zen. Auch regel­mä­ßi­ge Tele­fon­kon­fe­ren­zen und wei­te­re Netz­werk­tref­fen wur­den beschlos­sen. Und es wur­de sogar über die Grün­dung eines eige­nen Prü­fungs­ver­ban­des für genos­sen­schaft­lich orga­ni­sier­te SoLa­Wis sowie den Auf­bau eines Bera­ter-Netz­werks für Fra­gen der Orga­ni­sa­ti­ons­ent­wick­lung nachgedacht.

Der­zeit sind wir dabei die­ses ent­ste­hen­de Netz­werk wei­ter­zu­ent­wi­ckeln, indem wir in einen inten­si­ven Aus­tausch mit ande­ren Sola­wi-Genos­sen­schaf­ten tre­ten, deren unter­schied­li­che Erfolgs­stra­te­gien (z.B. zu Finan­zie­rung, Anbau, Logis­tik, Gemein­schafts­bil­dung) zusam­men­füh­ren und auf einer Home­page por­trä­tie­ren. Dies soll nicht nur Syn­er­gien zwi­schen bestehen­den Sola­wi-Genos­sen­schaf­ten schaf­fen, son­dern auch Neu­grün­dun­gen erleichtern.

Das nächs­te Netz­werk­tref­fen rückt auch immer näher. Es fin­det vom 20. – 22. März 2020 in Leip­zig statt und soll die­ses Mal um eine gro­ße öffent­li­che Kick-off Ver­an­stal­tung mit inter­ak­ti­ven Work­shops und Podi­ums­dis­kus­sio­nen mit Expert*innen aus der Sola­wi- und Genos­sen­schafts­be­we­gung erwei­tert werden.