Simon Scholl

Dipl. Betriebs­wirt Grün­der Kar­tof­fel­kom­bi­nat Indien­ex­per­te

simon@kartoffelkombinat-ev.de
+49178 – 7604422 

Was hast du gemacht, als es das Kar­tof­fel­kom­bi­nat in dei­nem Leben noch nicht gab?

Vor 15 Jah­ren sah es tat­säch­lich noch nicht danach aus, dass ich mich jemals für genos­sen­schaft­li­che Land­wirt­schaft inter­es­sie­ren und ich mich mit gesell­schaft­li­cher Trans­for­ma­ti­on beschäf­ti­gen wür­de. Als lei­den­schafts­lo­ser Stu­dent der BWL bereis­te ich lie­ber fer­ne Län­der, arbei­te­te sogar als Rei­se­lei­ter für Expe­di­ti­ons­rei­sen in Äthio­pi­en oder orga­ni­sier­te Events für deut­sche Auto­mo­bil­her­stel­ler in Chi­na. Nach mei­nem Stu­di­um mach­te ich mich selbst­stän­dig als inter­kul­tu­rel­ler Trai­ner und unter­stütz­te mul­ti­na­tio­na­le Unter­neh­men dabei, nach Indi­en zu expan­die­ren, indem ich Mana­ger und deren Fami­li­en an die Hand nahm und auf ihrem Weg nach Inden begleitete. 

Gera­de als Indien­be­ra­ter hat­te ich ein ziem­lich gutes Ein­kom­men. Doch je mehr ich die glo­ba­len Zusam­men­hän­ge ver­stand, des­to bewuss­ter wur­de mir auch, dass sozia­le und öko­lo­gi­sche Nach­hal­tig­keit mit unse­rem glo­bal prak­ti­zier­ten Kapi­ta­lis­mus unver­ein­bar ist. 2009 kehr­te ich von Delhi nach Mün­chen zurück und nahm mir eine län­ge­re Aus­zeit, in der ich mich inten­siv mit Wis­sen­schaft­lern wie Paech, Wel­zer oder Dürr aus­ein­an­der­setz­te. Danach war für mich klar, dass ich zual­ler­erst bei mir selbst anfan­gen muss. Ich woll­te die bedrü­cken­den Fak­ten bezüg­lich des Zustands unse­res Pla­ne­ten ein­fach nicht län­ger igno­rie­ren und habe für mich beschlos­sen, wirk­lich etwas ver­än­dern zu wol­len.

War­um enga­gierst du dich im Kar­tof­fel­kom­bi­nat – der Verein?

Ich bin einer der bei­den Grün­der des Kar­tof­fel­kom­bi­nats, war zwi­schen April 2012 und Mai 2019 als Vor­stand der Genos­sen­schaft tätig und 2016 auch Mit­grün­der unse­res gemein­nüt­zi­gen Kar­tof­fel­kom­bi­nat – der Ver­ein e. V.

Wir haben uns, wie man so schön sagt, von Grund auf alles selbst erar­bei­tet. 2012 star­te­ten wir mit kei­ner­lei Erfah­run­gen in Gemü­se­bau und Land­wirt­schaft, Genos­sen­schafts­we­sen oder etwa im Auf­bau einer Lie­fer­lo­gis­tik. Wir benutz­ten ein­fa­che Excel­ta­bel­len, Stra­ßen­kar­ten und einen Hoch­dach­kom­bi, in dem wir den ers­ten Test­pha­sen­haus­hal­ten ihre Ern­te­an­tei­le noch per­sön­lich nach Hau­se lie­fer­ten. Nach sie­ben Jah­ren zähl­ten wir bei mei­nem Abschied als Vor­stand der Genos­sen­schaft 10 Lie­fer­tou­ren, über 130 Ver­teil­punk­te und mehr als 1500 Mit­glied­s­haus­hal­te, die zuver­läs­sig ihren wöchent­li­chen Ern­te­an­teil bekom­men. Bei mir lagen v. a. die Berei­che Anbau und Koope­ra­tio­nen mit Part­ner­be­trie­ben, Orga­ni­sa­ti­on & Logis­tik sowie die Mitgliederverwaltung. 

War­um ich mich jetzt im Ver­ein engagiere? 

Mit dem Auf­bau unse­rer Genos­sen­schaft ist auch eine Art Blau­pau­se ent­stan­den und ich bin fest davon über­zeugt, dass die­se Blau­pau­se ein Aus­gangs­punkt für Trans­for­ma­ti­on und Ver­än­de­rung einer trä­gen Gesell­schafts­mas­se sein kann, wel­che sich anders kaum zu Ver­än­de­rung bewe­gen las­sen wird. 

Und mit den aktu­ell bewil­lig­ten För­der­mit­teln im Ver­ein war im Mai 2019 ein guter Zeit­punkt gekom­men, um den von mir schon län­ger anvi­sier­ten Wech­sel von der eG in den eV zu vollziehen. 

Und was machst du so konkret?

Mein Herz schlägt mitt­ler­wei­le v. a. für die nächs­ten mög­li­chen Ent­wick­lungs­schrit­te der Kar­tof­fel­kom­bi­nat-Idee und ich möch­te künf­tig als Impuls­ge­ber u. a. mit­hel­fen, im Sin­ne unse­res „Kar­tof­fel­kom­bi­nat-Dorf­mo­dells“ wei­te­re KK-Genos­sen­schaf­ten in Mün­chen zu grün­den und das gesam­mel­te Wis­sen der letz­ten Jah­re bün­deln, um es an ande­re inter­es­sier­te Initia­ti­ven wei­ter­zu­ge­ben. In den kom­men­den Mona­ten wer­de ich mit mei­nen Kol­le­gen im Ver­ein z. B. ein frei ver­füg­ba­res Hand­buch pro­du­zie­ren, wel­ches beschreibt, wie sich eine genos­sen­schaft­li­che SoLa­Wi ähn­lich dem Kar­tof­fel­kom­bi­nat – unter ande­ren Grund­vor­aus­set­zun­gen und mit loka­len Adap­tio­nen – auf­bau­en las­sen könnte. 

Hast du Wunsch­pro­jek­te für die Kartoffelkombinat-Zukunft?

Wir haben das Kar­tof­fel­kom­bi­nat vom ers­ten Moment an als eine Art gesell­schaft­li­ches Expe­ri­ment, eine gesell­schaft­li­che Bewe­gung ver­stan­den und spre­chen seit jeher auch vom Auf­bau einer neu­en „Ver­sor­gungs­struk­tur für Mün­chen“. Im Prin­zip sol­len dabei wei­te­re kar­tof­fel­kom­bi­nat­ähn­li­che Orga­ni­sa­tio­nen immer nur so klein wie mög­lich und so groß wie nötig sein, damit sie sich gut selbst ver­wal­ten kön­nen. Das heißt aber nicht, dass es für das Wachs­tum der Idee und der Wirt­schafts­wei­se eine Ober­gren­ze geben muss.

Ganz kon­kret könn­te die­ser Wis­sens­trans­fer im Auf­bau einer neu­en KK-Orga­ni­sa­ti­on für Mün­chen mün­den. Es gibt bereits ers­te kon­kre­te Plä­ne für eine neue quar­tiers­be­zo­ge­ne Grund­ver­sor­gungs­ge­nos­sen­schaft im Münch­ner Nord­os­ten. Wer beim Auf­bau die­ses Pro­jekts (oder auch ande­ren KK-Initia­ti­ven) mit­ar­bei­ten möch­te, kann sich immer ger­ne bei mir mel­den: simon@kartoffelkombinat-ev.de.

Aber auch ein ande­res Bei­spiel zeigt, wo die Rei­se hin­ge­hen könn­te: Wir haben mit dem Ver­ein jüngst ein Netz­werk von genos­sen­schaft­lich orga­ni­sier­ten SoLa­Wis ins Leben geru­fen. Und unse­re aller­ers­te, mehr­tä­gi­ge Tagung im März 2019 war bereits ein vol­ler Erfolg. Ziel die­ses Netz­wer­kes ist es, sich best­mög­lich mit allen Initia­ti­ven zu ver­net­zen, die sich bereits nach unse­rem Vor­bild deutsch­land­weit gegrün­det haben bzw. sich künf­tig als SoLa­Wi-Genos­sen­schaft grün­den wer­den. Alle Akteu­re tei­len dabei das gemein­sa­me Ziel, ein trans­for­ma­ti­ves Unter­neh­men mit Vor­bild­cha­rak­ter sein zu wol­len. Und alle wol­len nach­hal­ti­ge, regio­na­le und sou­ve­rä­ne Ver­sor­gungs­sys­te­me eta­blie­ren. Das ist so moti­vie­rend, dass ich ernst­haft begin­ne dar­an zu glau­ben, dass uns der Weg aus der gesell­schaft­li­chen Nische doch gelin­gen kann.