Praxishandbuch für SoLaWi-Genossenschaften
Immer mehr Menschen klopfen an unsere Tür und fragen nach beratender Unterstützung bei der Neugründung einer solidarisch organisierten Genossenschaft. Da wir es von unseren Kapazitäten her nicht schaffen, diese Initiativen in dem Maße zu unterstützen, wie wir es gerne tun würden, sind wir gerade bei der Entwicklung eines Praxishandbuchs. Dieses soll (neue) Akteure der Solidarischen Landwirtschaft in die Lage versetzen, das transformative Potential dieser Wirtschaftsweise möglichst systematisch, effizient und erfolgreich in einem jeweils neuen Kontext umzusetzen. Dazu werden die Ansätze und Ideen der Kartoffelkombinat eG und der Genossenschaften, die sich nach dem Vorbild der Kartoffelkombinat eG eigenständig gegründet haben, zusammengetragen und weiterentwickelt.
Durch dieses leicht zugängliche Angebot wird die horizontale Vervielfältigung dieser wirtschaftlich und sozial stabilen Unternehmensform gefördert und stellt damit einen relevanten Ansatzpunkt für die Transformation des konventionellen Ernährungssystems dar. Die Kosten und Risiken bei der Gründung neuer SoLaWi-Initiativen sinken und Lernprozesse werden erleichtert. Die soziale Wirkung dieser solidarischen Wirtschaftsform und die Anzahl der Begünstigten dieser nachhaltigen regionalen Lebensmittelversorgung steigen und natürliche Lebensgrundlagen der Städte und deren Umlandes werden erhalten. Dieses Projekt wird durch die Landwirtschaftliche Rentenbank gefördert.
Impulsgeber für Neugründungen
Die Neugründung einer Gemüse-Genossenschaft in einem neu entstehenden Wohnviertel in München-Ost ist in Planung. Unser Gründungskonzept haben wir bereits auf Veranstaltungen den Bewohner*innen des Wohnviertels vorgestellt und wir sind weiterhin dabei, unsere Initiative bekannter zu machen und die Menschen dafür zu gewinnen. Umso erfreulicher ist es, dass unser Vorhaben von den Bauherren und der Quartiersgenossenschaft des Wohnviertels aktiv unterstützt wird.
Initiator neuer Netzwerke
Im März 2019 fand das erste Netzwerktreffen mit Vertretern von „solidarisch landwirtschaftenden“ Genossenschaften für einen Zeitraum von 3 Tagen statt. Vertreten waren Kartoffelkombinat (seit 2012), Biotop Oberland aus Lenggries (seit 2015), dem WirGarten Lüneburg (seit 2017), der Kooperative aus Frankfurt (seit 2018), PlantAge aus Berlin (seit 2019), die Solidarregion Pforzhein-Enz, SoLaWi beim Kainzlbauer aus Bad Endorf sowie das Regionalkollektiv aus Landshut. Ziel des Netzwerktreffens war es sich persönlich kennenzulernen, sich von den unterschiedlichen Ansätzen und Entwicklungsschritten der Genossenschaften inspirieren zu lassen und sich über mögliche zukünftige Kooperationsfelder auszutauschen. Organisiert und eingeladen hatte der Kartoffelkombinat-Verein mit großzügiger finanzieller Unterstützung von RENN.süd.
Das Fazit dieses ersten Netzwerktreffens war durch und durch positiv. Es wurden viele neue Freundschaften geknüpft und es wurde verabredet, eine Online-Plattform für den aktiven Austausch unter den Netzwerkteilnehmer*innen aufzusetzen. Auch regelmäßige Telefonkonferenzen und weitere Netzwerktreffen wurden beschlossen. Und es wurde sogar über die Gründung eines eigenen Prüfungsverbandes für genossenschaftlich organisierte SoLaWis sowie den Aufbau eines Berater-Netzwerks für Fragen der Organisationsentwicklung nachgedacht.
Derzeit sind wir dabei dieses entstehende Netzwerk weiterzuentwickeln, indem wir in einen intensiven Austausch mit anderen Solawi-Genossenschaften treten, deren unterschiedliche Erfolgsstrategien (z.B. zu Finanzierung, Anbau, Logistik, Gemeinschaftsbildung) zusammenführen und auf einer Homepage porträtieren. Dies soll nicht nur Synergien zwischen bestehenden Solawi-Genossenschaften schaffen, sondern auch Neugründungen erleichtern.
Das nächste Netzwerktreffen rückt auch immer näher. Es findet vom 20. – 22. März 2020 in Leipzig statt und soll dieses Mal um eine große öffentliche Kick-off Veranstaltung mit interaktiven Workshops und Podiumsdiskussionen mit Expert*innen aus der Solawi- und Genossenschaftsbewegung erweitert werden.
Konzernfreie IT
Die Digitalisierung all unserer Lebensbereiche wird massiv politisch, ökonomisch und medial vorangetrieben. Gleichzeitig konzentrieren sich die daraus entstehende Flut an Daten – propagiert als „wertvollster Rohstoff“ des 21. Jahrhunderts – über jeden einzelnen Aspekts unseres Lebens in den Händen immer größer werdender IT-Konzerne im Silicon Valley. Und diese Handvoll Konzerne nutzen und perfektionieren die Datennutzung mithilfe von Künstlicher Intelligenz im Sinne ihrer Grundlogik – aus Geld mehr Geld zu machen, damit aus Macht mehr Macht zu machen und damit aus Kontrolle über die Menschen bzw. “gläsernen Konsumenten” mehr Kontrolle zu machen. Auch angesichts des weltweiten (Wieder-)Aufkommens autoritärer politischer Bewegungen, ist diese fortwährende Konzentration von Daten besorgniserregend. Denn was passiert in einer nicht so unwahrscheinlichen Zukunft, wenn autoritäre Staaten diese Konzerne dazu zwingen, ihre akkumulierte Fülle an Daten mit ihnen zu teilen, um den Weg für allgegenwärtige staatliche Überwachung und Kontrolle der Bürger*innen frei zu machen? Historisch betrachtet waren Staaten und Konzerne bzw. politische und ökonomische Macht schon immer eng miteinander verbunden. All das wirft Fragen und Herausforderungen auf, die wir heute nur ansatzweise erahnen können.
Der Verein versucht hier einen ersten Schritt zu machen, indem er eine konzernfreie IT-Infrastruktur fördern und für immer mehr Menschen verfügbar machen will. Denn Open Source Software gibt es ja, sie muss nur genutzt werden. So setzen wir beispielsweise beim KK-Forum und bei unserer Mitgliederverwaltung konsequent auf Open-Source Software, und nutzen diese ganz KK-konform konzernfrei.
Bei unserem Solawi-Netzwerktreffen entstand die Vision, ein Open Source Software-Paket zu schnüren, um anderen solidarisch landwirtschaftenden Organisationen Werkzeuge für Ihre Arbeit an die Hand geben zu können.
Zudem wollen wir Veranstaltungen durchführen, um den Zugang zu und die Vorteile von Open-Source-Software einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen, z.B. im Rahmen unserer Kartoffelkademie oder als Workshop.
Open Source Software ist manchmal anders, manchmal besser und manchmal schlechter als die etablierten Konzern-Softwares. Aber angesichts der oben beschriebenen Entwicklungen sollten wir uns zweimal überlegen, ob weniger Bequemlichkeit und Nutzungsmöglichkeiten nicht doch ein annehmbarer Preis ist.
Bündnisse
Beispiel Münchner Ernährungsrat
Exemplarisch für den Schulterschluss des Kartoffelkombinats mit vielen anderen zivilgesellschaftlichen Initiativen in München ist an dieser Stelle vor allem der neu gegründete Münchner Ernährungsrat zu nennen. Er ist ein unabhängiges Bündnis von Akteur*innen aus den unterschiedlichsten gesellschaftlichen Bereichen, von Zivilgesellschaft, Verwaltung und Politik bis hin zu Wirtschaft, Bildung und Wissenschaft. Ziel des Münchner Ernährungsrates ist es, in München „ein resilientes, gerechtes und gemeinwohlorientiertes Ernährungssystem zu etablieren, durch das saisonale und regionale Lebensmittel aus fairer und ökologischer/nachhaltiger Herstellung sowie artgerechter Tierhaltung gefördert werden“. Diese Ziele unterstützt das Kartoffelkombinat natürlich voll und ganz, weswegen wir unseren Vereinsvorstand Jürgen Müller (rechts im Bild) zur Zeit gerne entbehren, um das Team des Ernährungsrates, den er für den KK eV mit initiiert hat, zu verstärken.
HIER Hier findet Ihr eine Impression von der Auftaktveranstaltung des Münchner Ernährungsrates am 13. März 2019.

STADTRADELN mit dem Team Kartoffelkombinat!

STADTRADELN in München vom 19.6. bis 9.7.2023
Rund eine halbe Million Radler*innen haben sich bundesweit schon fürs diesjährige STADTRADELN in ihren Teams gemeldet. Sie alle wollen die positiven Seiten des Radelns demonstrieren: Klimaschutz, Lärmminderung, weniger Feinstaub, aktive Gesundheitsförderung, eine lebenswerte Umgebung, und mehr Geld im Portemonnaie durch gesparte Benzinkosten. Alle, die in München wohnen, arbeiten, einem Verein angehören oder eine (Hoch-)Schule besuchen, können für die Kommune München mitmachen und umweltfreundliche Kilometer sammeln – auch per App. Natürlich gibt es wieder Preise zu gewinnen. Mehr Infos unter STADTRADELN.
Der Verein des Kartoffelkombinats hat auch dieses Jahr wieder ein “Team Kartoffelkombinat” angemeldet. Ihr findet uns unter STADTRADELN München. Unser Team-Captain ist Claudia Braun, die Geschäftsführerin des Kartoffelkombinat – der Verein e.V.
Unterwegs in die Stadt der Zukunft – Urbane Gärten als Orte der Transformation
Kartoffelakademie
Termin: Donnerstag, 19. September, 19:00 bis 20:30 Uhr
Referentin: Dr. Christa Müller, Soziologin, Leiterin der anstiftung, München
Ort: Kartoffelkombinat / anstiftung, Daiserstr. 15 im Rückgebäude
Urbane Gemeinschaftsgärten sind aus der Stadt nicht mehr wegzudenken
Auch in München nicht – man muss nur einen Blick auf diese Karte werfen!

Aus vereinzelten Pionierprojekten entstand im Laufe der vergangenen zwei Jahrzehnte in ganz Deutschland ein Netzwerk von rund 1.000 Initiativen. Als erdverbundene Orte haben sie das Potenzial, Stadt wie Gesellschaft grundlegend zu verändern.
Doch was ist das Besondere an urbanen Gärten und warum sind sie unverzichtbar?
Christa Müller hat – zusammen mit Autor*innen aus Wissenschaft, Forschung und Aktivismus – Antworten gesucht, um die unterschiedlichen Dimensionen der neuen urbanen Gartenbewegung zu verstehen.
Sie stellt viele dieser Dimensionen in einem bilderreichen Vortrag vor.
Anschließend wollen wir mit ihr darüber sprechen, was Gemeinschaftsgärten dazu beitragen können, um München und andere Städte in eine menschen- und naturgerechte Zukunft zu führen.
Buchtipp: Andrea Baier, Christa Müller, Karin Werner (Hg.), Unterwegs in die Stadt der Zukunft. Urbane Gärten als Orte der Transformation. transcript Verlag: Bielefeld 2024.
Die Veranstaltungen der Kartoffelakademie sind kostenfrei und offen für alle Interessierten.
Man (k)lebt nur einmal – Wenn der Witz nachhaltiger ist als der Fußabdruck
Kartoffelakademie
Termin: Dienstag, 15. Oktober, 19:00 bis 20:30 Uhr
Referentin: Aline Pronnet, Speakerin für Nachhaltigkeit und Zero Waste, Ausgezeichnet mit dem KLIMA- und UMWELTPREIS 2024 der Bürgerstiftung für den Landkreis Fürstenfeldbruck
Ort: Kartoffelkombinat / anstiftung, Daiserstr. 15 im Rückgebäude
Was wäre, wenn ein nachhaltiger Lebensstil Spaß machen würde?
Oder ist die Frage zu provokant?
Aline Pronnet schaut mit einem optimistischen Blick auf die Verbindung zwischen Nachhaltigkeit und Humor! Sie zeigt uns auf unterhaltsame Weise, wie kreative Ansätze dazu beitragen können, Umweltbewusstsein zu schaffen und positive Veränderungen zu bewirken.

Denn hinter dem Humor steckt mehr als nur Spaß:
Kreativität und Humor können echte Werkzeuge der Veränderung sein.
Der Vortrag ist ein Appell, den Wandel hin zu einer nachhaltigen Zukunft mit einem Lächeln anzugehen und dabei nicht zu vergessen, dass jeder einzelne die Kraft hat, die Welt zum Besseren zu verändern.
Um also die Eingangsfrage zu beantworten:
Ja, ein nachhaltiger Lebensstil darf Spaß machen!
Kein Witz!
Die Veranstaltungen der Kartoffelakademie sind kostenfrei und offen für alle Interessierten.
Rechte Ideologien in der Landwirtschaft
Kartoffelakademie
Termin: Donnerstag, 21. November, 19:00 bis 20:30 Uhr
Referentin: Barbara Graf, Fachstelle Radikalisierungsprävention und Engagement im Naturschutz (FARN), Berlin
Ort: Kartoffelkombinat / anstiftung, Daiserstr. 15 im Rückgebäude
Der Rechtsruck unserer Gesellschaft ist leider auch in der Landwirtschaft ein dringendes Thema.
Selbst das Konzept Solawi ist anschlussfähig für Menschen mit rechtem Gedankengut.
Aber hinter der Fassade der naturnahen Landwirtschaft steckt bei manchen ein antidemokratisches Weltbild und es wird eine Strategie der rechten Landnahme verfolgt.
Warum scheint gerade der Ökolandbau interessant für rechte Akteur*innen zu sein?
Die Fachstelle Radikalisierungsprävention und Engagement im Naturschutz (FARN) hat Antworten auf diese Frage gesucht.
Barabara Graf, Trainerin bei FARN und seit vielen Jahren Teil des “AK gegen Rechts” im Netzwerk solidarische Landwirtschaft, wird in ihrem interaktiven Vortrag die Aktivitäten und Strukturen extrem rechter Akteur*innen im ländlichen Raum darstellen und die nach rechts anschlussfähigen Konzepte im Bereich der ökologischen Landwirtschaft analysieren.
Im Anschluss werden wir uns mit ihr darüber austauschen, wie wir – als Kartoffelkombinat, aber auch als Einzelperson – unsere eigenen demokratischen Werte stärken und uns präventiv gegen rechte Vereinnahmung schützen können.

Die Veranstaltungen der Kartoffelakademie sind kostenfrei und offen für alle Interessierten.
Eine Weltreise durch Ökodörfer
Kartoffelakademie
Termin: Donnerstag, 12. Dezember 2024, 19:00 bis 20:30 Uhr
Referentin: Tini Hesse und Rainer Höll, Vereinsmitglieder und KK-Genoss*innen
Ort: Kartoffelkombinat / anstiftung, Daiserstr. 15 im Rückgebäude
Eine Weltreise durch Ökodörfer – Mehr Verbindung mit Natur und Gemeinschaft
Im August 2023 sind unsere Genoss*innen Tini Hesse und Rainer Höll mit ihren Kindern für ein Jahr losgezogen, durch Ökogemeinschaften in Südeuropa, Lateinamerika, Indien und Ostafrika.
Neugierig waren sie auf Pionierorte, die anders mit Natur, Nahrungsmitteln und miteinander umgehen.

Mit inspirierenden Bildern erzählen sie von ihrer äußeren und inneren Reise, von großartigen Erlebnissen, totalen Reinfällen, Wutseminaren – und was sie in ihr Münchner Stadtleben hinüber retten wollen.
Die Veranstaltungen der Kartoffelakademie sind kostenfrei und offen für alle Interessierten.






