Bauerngarten
Nach einer intensiven Vorbereitungszeit erfahren die BesucherInnen des Bauerngartens im Tierpark Hellabrunn im „Mühlendorf“ des neuen Europateils seit der Eröffnung am 27.07.2018 alles zu regionalen und saisonalen Gemüse- und Kräutersorten einschließlich Anbaumöglichkeiten. Weiterführend erklären mittwoch, samstags und sonntags 12 – 15 Uhr ehrenamtliche Artenschutzbotschafter, was es mit ökologischer im Vergleich zu konventioneller Anbauweise auf sich hat, und gehen vertiefend auf Fragen der BesucherInnen ein. Kinder können im Bauerngarten beim Gießen der Pflanzen helfen (was sehr populär ist). Erwachsene wie Kinder erfreuen sich an dem schönen Bauerngarten und bekommen gleichzeitig in angenehmer Atmosphäre Wissen vermittelt. So wird erklärt was die Ernährung in München mit der Erhaltung der Biodiversität in aller Welt zu tun hat (Zitat frei nach Rasem Baban, Direktor des Tierparks Hellabrunn) So ist der Bauergarten zu einer beliebten Attraktion im Tierpark Hellabrunn geworden, die auch nach Projektlaufzeitende Bestand haben wird.

Der Verein hat damit die Gelegenheit, seine gesellschaftspolitischen und ökologischen Themen einem breiten Publikum zu präsentieren; der Tierpark hat immerhin 2 Millionen Besucher pro Jahr. Auf dieser Bühne geht es dem Verein in erster Linie um Bildungsarbeit über die große Bedeutung der Biodiversität für uns Menschen. Ziel ist es, ein Bewusstsein darüber zu schaffen, wie wichtig der Erhalt und die Pflege der Artenvielfalt von Nutzpflanzen und Saatgut (hybrid vs. Samenfest) ohne die Verwendung von Gentechnik und Pestiziden für eine gesunde Ernährung ist.

Naturschutzkonzept
Im Rahmen einer Bachelorarbeit wurde von Janine Jourdan und Jonathan Gerlach in Kooperation mit dem Kartoffelkombinat e. V. und der Kartoffelkombinat e. G. ein individuelles, betriebliches Naturschutzkonzept für die Flächen des Kartoffelkombinat-Gemüsebaubetriebs erarbeitet. Dabei wurde die Betriebsfläche auf ihren ökologischen Wert untersucht und herausgearbeitet, in welchen Bereichen bereits gute Voraussetzungen für Flora und Fauna herrschen bzw. wo Pflegemaßnahmen oder Verbesserungsmöglichkeiten für eine naturfreundliche Bewirtschaftung bestehen. Das Kartoffelkombinat erzielt hier vor allem bei der Ausstattung mit Landschaftselementen und extensiver Fläche gute Ergebnisse. Aus den Erkenntnissen der Untersuchung wurde ein Katalog mit 24 Maßnahmen erstellt, der als Leitfaden für die Integration von Naturschutz in den Gemüsebaubetrieb dienen soll. Durch eine Befragung der Genossenschaftsmitglieder wurde zudem festgestellt, dass ein hohes Maß an Bereitschaft vorhanden ist, Maßnahmen des Naturschutzes und der Landschaftspflege finanziell mitzutragen und aktiv zu unterstützen.
Das gesamte Dokument mit Untersuchungsergebnissen und Maßnahmenkatalog könnt ihr hier einsehen:
Partizipation und Ehrenamt
Ohne die Mitarbeit von Ehrenamtlichen und Freiwilligen würde es sowohl die Genossenschaft wie auch den Verein in seiner heutigen Form nicht geben. Erst durch das freiwillige Engagement seiner Mitglieder beginnt das KK wirklich zu blühen. Seit seiner Gründung versteht sich das Kartoffelkombinat als Plattform für das Erkunden neuer Möglichkeitsräume. Über den Verein koordinieren sich verschiedene thematisch ausgerichtete Arbeitsgruppen (AGs), die die Ziele der Genossenschaft und des Vereins unterstützen. Hier zwei Beispiele dafür:
AG Energie
Der Auftrag der AG Energie ist es u. a., die Genossenschaft beim Bau ihrer neuen Halle zu unterstützen und sie zu Themen wie nachhaltige Energieerzeugung und ‑speicherung sowie ressourcenschonenden Energieverbrauch im Gemüsebaubetrieb zu beraten.
AG Mobilität
Die Mitglieder der AG Mobilität beschäftigen sich u. a. mit den Potentialen eines nachhaltigen Logistikkonzeptes – etwa dem möglichen Einsatz von Elektromobilität und Lastenfahrrädern – sowie seiner Integration in ein betriebliches Öko-Gesamtenergiekonzepts.
Der Turmfalke
Neben dem nervigen Erdfloh und gefräßigen Wühlmäusen gibt es viele spannende Tiere auf der Gärtnerei des Kartoffelkombinat, die einen großen Nutzen für uns haben und ein schönes Zeichen für ein intaktes Ökosystem sind. In unregelmäßigen Abständen werden wir Euch von diesen Tieren erzählen.
Den Auftakt macht unser Turmfalkenpärchen, das sich auf unserem Betrieb wohl sehr heimisch fühlt. Das Männchen erkennt Ihr deutlich an seinem grauen Kopf, wohingegen das Weibchen einheitlich rotbraun gefärbt ist. Beide haben ein typisch schwarz gesprenkeltes Gefieder, sind etwa 36 cm lang und haben eine Flügelspannweite von 75 cm.
Turmfalken bleiben ein Leben lang zusammen und werden um die 15 Jahre alt. Die Bezeichnung „Turmfalke“ rührt von seiner Vorliebe, an Kirch- oder Fabriktürmen zu brüten und somit nah an den Siedlungsgebieten der Menschen zu hausen. Er ist ebenfalls unter dem Namen „Rüttelfalke“ bekannt, da er häufig in seinem „stehenden Flug“, dem sog. Rüttelflug in 10 – 20 m über Wiesen und Feldern auf der Suche nach Beute beobachtet werden kann. Hat der Turmfalke Beute gesichtet, geht er im Sturzflug nieder – dabei ist er zwar schnell, aber immer noch wesentlich langsamer als zum Beispiel sein Verwandter, der Wanderfalke – der schnellste Vogel im Sturzflug.
Im Winter sind Falken häufig auf Ansitzstangen zu beobachten, denn die Jagdmethode des bequemen Ausschauhaltens aus hoher Position verbraucht weniger Energie als der Rüttelflug. Und Energie benötigt der Turmfalke vor allem für die Jagd. Ein Turmfalkenpaar verputzt zwei bis drei Mäuse täglich und mit hungrigen Jungen im Nest werden bis zu acht Mäuse – meist Wühlmäuse – pro Tag erlegt. In schlechten „Mäusejahren“, während der kalten Jahreszeit oder als unerfahrener Jungvogel fallen dem Turmfalken gerne auch kleinere Singvögel, Eidechsen, Käfer und sogar Regenwürmer zum Opfer.
Der Bestand an Turmfalken war in den 1960er bis in die 1980er Jahre massiv eingebrochen – Schuld waren intensiv bewirtschaftete und ausgeräumte Kulturlandschaften und der Einsatz von Pestiziden, die sich besonders auf die Tiere am Ende der Nahrungskette negativ auswirkten. In Deutschland leben heute ca. 50.000 der insgesamt 90.000 Brutpaare Mitteleuropas. Deutschland hat also eine besondere Verantwortung für den Erhalt des Turmfalken, weshalb wir uns sehr über unser Pärchen in Spielberg freuen.
Für die kommende Brutsaison steht den frisch Verliebten an unserem nördlichen Kamin ein Nistkasten zur Verfügung. Mal schauen, ob sie diesen annehmen. Dem Turm sieht man durch die vielen Hinterlassenschaften in Form von weißen Klecksen jedenfalls an, dass er gerne als Rastplatz und für die Ansitzjagd genutzt wird 😉 Am Fuße des Turms findet sich immer wieder mal Gewölle – so nennt man die Speiballen von Greifvögeln, in denen sie unverdautes Fell und Knochen hervorwürgen.
Ob es eine Brut gibt, dürfte Mitte April klar werden, wenn nach 30 Tagen drei bis sechs Junge schlüpfen. Wir sind gespannt und werden berichten. Junge Turmfalken sind sehr verspielt und neugierig. Sie toben herum wie kleine Kinder, üben den Sturzflug mit am Boden liegenden Steinen und ruhen sich gemeinsam kuschelnd am Brutplatz aus, wo sie leidenschaftlich miteinander schnäbeln.
Wach gezwitschert – Tiere in unserer Gärtnerei
Basierend auf dem Kartoffelkombinat-Naturschutzkonzept, das Ende 2019 in unserer Kartoffelakademie präsentiert wurde, haben wir die Ärmel hochgekrempelt und ein großes Auftakttreffen für unsere Naturschutz AG geplant. Doch dann kam alles anders …
… aber auch die Coronakrise wird irgendwann vorbei sein und dann werden wir unsere Naturschutzbestrebungen auf unserem Hof gemeinsam wieder aufnehmen können, um die Artenvielfalt und Schutzräume für unsere „Untermieter*innen“ zu bewahren. Denn was da so kreucht und fleucht, fliegt und kriecht, buddelt und singt in unserem gemeinsamen Betrieb, ist ganz erstaunlich. Hier kommt die nächste Vorstellung von zwitschernden Zeitgenoss*innen – den Hausrotschwänzen aus Spielberg:
Früher lebte der Hausrotschwanz im Gebirge, jedoch schon vor Jahrhunderten folgte er dem Menschen in die Siedlungen und lebt heute oftmals mitten unter uns. Mit 14 cm ist er in etwa so groß wie ein Sperling oder Rotkehlchen. Das Männchen ist rußschwarz bis schiefergrau, wohingegen das Weibchen freundlichere Beige- und Brauntöne „trägt“. Der rostrote Schwanz ist bei beiden das deutlichste Erkennungszeichen.
Wie die meisten Vögel brüten auch Hausrotschwänze zweimal im Sommer für ca. 14 Tage. Dabei legen sie fünf bis sechs Eier und ziehen Ihre Jungen ca. 17 Tage im Nest auf. Ihr Nest bauen die kleinen Sänger*innen in Nischen oder Halbhöhlen aus Halmen, Wurzeln, Moos und stellen die Innenverkleidung aus Haaren und weichen Federn her. In der Gärtnerei gibt dafür viele gut geeignete Verstecke, so zum Beispiel auf den Balkenvorsprüngen am Hauptgebäude oder auf der Schiene vom hinteren Rolltor der Packhalle. Das wird derzeit kaum genutzt, und schwupps hat sich ganz aktuell dort bereits ein Pärchen zur Brut niedergelassen.

Beim Nestbau sind Hausrotschwänze sehr pragmatisch und flexibel. In der Literatur gibt es zahlreiche Berichte über außergewöhnlichste Brutstellen, wie z.B. Radkästen von Baustellenfahrzeugen oder auf laufenden Generatoren. Sie sind also wahre Kulturfolger, denen Lärm, Störungen und Gestank des Menschen wohl, zumindest bei der Aufzucht der Kinder, nichts ausmachen.
Fliegen, Schmetterlinge, Spinnen, Raupen, Würmer und gelegentlich Beeren stehen auf dem Speiseplan der Hausrotschwänze und in unserer Gärtnerei sind sie häufig in den Gewächshäusern anzutreffen – dort helfen sie ordentlich mit und befreien unsere Tomaten und Auberginen im Sommer von gefräßigen Raupen und schädlichen Wanzen.
Wohl fühlen sich die Vögelchen dort sicherlich auch dadurch, dass wir als Naturlandbetrieb keine Insektizide und Pestizide einsetzen und so deren Nahrungsquellen erhalten bleiben. Weitere Naturschutzmaßnahmen sind in Planung, wie z.B. der Bau von Nisthilfen.
In der Gärtnerei hält uns der Hausrotschwanz jedenfalls bei Laune durch sein frühmorgendliches Gezwitscher und die Nützlingsarbeit, die so manche Aubergine vor dem gemeinen Wanzenangriff rettet.
Sein Bestand hat übrigens gegen Ende des 20. Jahrhunderts deutlich zugenommen und gilt inzwischen als ungefährdet und stabil. Doch Feinde hat er allerhand: wie z.B. Sperber, Katzen, Falken und nicht zuletzt den Menschen bzw. die anhaltenden Veränderungen durch den Klimawandel und die Abnahme der Insektenvielfalt.
Limax Maximus!
Hinter diesem Ausspruch verbirgt sich kein Zauberspruch, sondern der Name eines ziemlich außergewöhnlichen Mitbewohners der Gärtnerei des Kartoffelkombinats in Spielberg: der Tigerschnegel.
Eigentlich wollten wir Euch als Nächstes die Erdkröte vorstellen – doch bei der Salaternte ist uns der Tigerschnegel immer wieder zwischen die Finger gekommen – deshalb aus aktuellem Anlass nun mehr dazu.
Wir präsentieren: Die schönsten Schnegelbilder weit und breit. Vielen Dank für eure Einsendungen.

Gemalt von Xaver 
Und Kasja

Der Tigerschnegel sieht aus wie eine sehr große Nacktschnecke im Raubkatzen-Look. Doch anders als der Name vermuten lässt, ist er ganz zahm und zählt zu den Nützlingen auf unserem Acker. Denn Tigerschnegel essen mit Vorliebe totes Pflanzenmaterial, Moos, Flechten und Pilze. Für einen extra Proteinkick in seiner Ernährung – und Freudensprünge beim Gärtnereiteam – sorgt er durch seinen Konsum von Schneckeneiern. Somit dezimiert er kontinuierlich die gefräßigen Wegeschnecken, die sich sonst über unsere Salat- und Kohlköpfe hermachen. Ein bisschen Raubtier steckt auch in einem Tiegerschnegel, – so stehen nicht nur Schneckeneier, sondern auch ausgewachsene Schnecken auf seinem Speiseplan. Im Internet findet man einige Videos von spektakulären Verfolgungsjagden bei Nacht. Naja, so spektakulär wie Schneckenjagden eben sein können.
Allerdings berichten Hobbygärtner*innen resigniert, dass er Schnecken meistens nur anknabbert und dann wieder ziehen lässt. Wenn also angebissene Nacktschnecken im
Garten zu sichten sind, hat sich vermutlich ein Tigerschnegel angesiedelt. Ihn selbst sieht man nur selten, da er strikt nachtaktiv ist. Auf seiner meist grauen Haut befinden sich schwarze Flecken und Streifen. Dieses Muster hat ihm auch seinen Namen eingebracht. Das lateinisches „Maximus“ lässt es schon vermuten: Der Tigerschnegel kann eine Länge von bis zu 20 cm erreichen und gehört damit zu den Größten seiner Gattung.
Leider wissen viele Gärtner*innen nichts von seinen nützlichen Ernährungsgewohnheiten und bekämpfen ihn genau wie seine langsamen Verwandten. Auch Schneckenkorn unterscheidet nicht zwischen Schnegel und Schnecke, ein weiterer Grund also, um sparsam mit derartigen Mitteln umzugehen.
Meistens kommt der Tigerschnegel von ganz alleine in den Garten – vorausgesetzt Kost und Logies ist gestellt und genügend Unterschlupfmöglichkeiten geboten. Er bevorzugt dunkle und feuchte Orte, gerne richtet er sich sein Zuhause in Stein- oder Totholzhaufen ein. Bei uns ist er in den Gewächshäusern gesichtet worden.
Des Weiteren soll es helfen, abends geschnittene Champignons auszulegen, um den Tigerschnegel anzulocken. Sobald er einmal eingezogen ist, bleibt er zumeist zur Dauermiete und vermehrt sich fleißig. Wie bei fast allen Schnecken sind alle Tiere Zwitter, d.h. sie besitzen sowohl männliche als auch weibliche Fortpflanzungsorgane. Zur Paarung umschlingen sich zwei Schnegel ganz eng und lassen sich an einem Schleimfaden von einem Ast herunterfallen – ganz schön abenteuerlich. Dann legen beide Tiere 100 bis 300 Eier, aus denen dann nach ein paar Wochen die kleinen weißen Babyschnegel schlüpfen.
Wer Tigerschnegel im eigenen Garten ansiedeln möchte, um die Nützlingsarbeit zu fördern, kann einfach mal in der eigenen Nachbarschaft fragen, ob jemand ein paar Exemplare zum weitergeben hat…
An alle Kids und Kreativen – macht mit bei der Tigerschnegel-Malaktion:
„Wie sieht Dein Tigerschnegel aus?“
Wir freuen uns über kreative, bunte, witzige Kunstwerke von Euch. Schickt Eure Bilder bis zum 24. Mai per E‑Mail direkt an lias@kartoffelkombinat-ev.de – jeder kann mitmachen (keine Altersgrenze). Eure Kreationen werden wir im Nachgang in einer Online-Galerie auf unserer Website präsentieren.
Saisonende in unserem Hellabrunner Bauerngarten
Mit Waldmeisterduft in die Winterruhe …

Halloween, orangeleuchtende Kürbiszeit eigentlich. Unsere Hellabrunner Butternuts aber, die erfordern, wie Ihr im Bild rechts seht, eine sehr spezielle Schnitz-Pick-Kunst, die nur die frei umherfliegenden & ‑spazierenden Tierpark-Pfauen beherrschen. Sie gehören, seit unser Bauerngarten seine Pforte im „Mühlendorf“ der Zoo-Geozone Europa des Tierparks am 27. Juli 2018 zum ersten Mal öffnete, (nicht ganz zur ungeteilten Freude des Kartoffelkombinat‑e.V.-Gartenteams) mit zu den treuesten Gartenbesuchern. Lieblingskost: Mangold, Kürbis, Kohl und Brokkoliherzen.
Überhaupt, das Jahr 2020 hat(te) es in sich …

Dabei begann es, wie ein Gartenjahr beginnen sollte: Teammitglied Ulrich Martin erarbeitete einen Leitfaden für alle Artenschutzbotschafter*innen, im Februar stand die von Maria ins Bild gesetzte Planung für die Beetbepflanzung und das Team legte los: Nach den Erfahrungen aus der Saison 2019 realisierte die Garten-Crew zahlreiche gartentechnische Verbesserungen: Die Tomaten erhielten endlich ihren gewünschten Unterstand, das Gewächshaus seinen kühlenden Schutzanstrich. Als Abwehrmaßnahmen gegen ungewollte Mitgartengenießer wurden scharfe Schneckenzäune installiert und Pflanztunnel angeschafft (auch um die Pfauen daran zu hindern, in der Gründüngung ihre Privatlounge anzulegen …). Dazu kam musikalische Experimentierfreude: Wind, der über Flaschenöffnungen streift – dieses Tonkonzert lässt dem Vernehmen nach noch die hartnäckigste Wühlmäus die Flucht ergreifen. Und so wurden so manche geleerte Flasche im Garten verbuddelt und regelmäßig von Regenwasser entleert.

Auch an tierischen Mithelfern fehlte es nicht: Die freilaufenden Augsburger Hühner des Tierparks pickten fleißig Schneckeneier und ‑larven aus den Beeten (mussten etwas später allerdings selbst daran gehindert werden, unser sorgsam ausgebrachtes Saatgut aufzufuttern …). Selbstlos dagegen die benachbarten Murnau-Werdenfelser, mit deren Mist wir unseren Kompost anreichern (O‑Ton Gartenteam: „Eine etwas stinkende, aber auch lustige Arbeit!“): Bokashi-unterstützt ergab der 2019er Kompost 2020 eine sehr feine, hochwertige Erde. Humusaufbau statt Bodendegradation!

Alles war zum Saisonstart bereit, die Gartenpforte für Zoobesucher*innen (2 Millionen jährlich) stand sozusagen schon offen – da kam Corona. Lockdown, Tierpark geschlossen. Und geschlossen blieb die Gartenpforte vorsichtshalber die gesamte Saison. Dafür gab es inspirierte Gespräche über den Gartenzaun hinweg, auf diese Weise immer mit der gebührenden Löwinnenlänge Abstand.
Trotz dieser Einschränkungen waren die Reaktionen der Besuchenden auf unser Bauerngartenprojekt wieder durchweg positiv. Die interessierten Zaungäste ließen sich das dieses Jahr weiter an Mikroklima und Standortbedingungen angepasste Konzept des Gartens erklären, die Prinzipien von Fruchtwechsel/Fruchtfolge, Schwach‑, Mittel‑, Starkzehrer-Kombinationen und warum diese nach den Erfahrungen von 2018/2019 nicht lupenrein durchgeführt wird, die Vorteile von Gründüngung.
Ansteckend die große Lernlust vom Kita- und Kindergarten- bis zum Schulkind. Viele bestaunten, wie ein Kohlrabi live aussieht und wächst, bestaunten die für Bienen und Hummel anbaute Katzenminze und Pfefferminze außerhalb von Teebeuteln! Der große Unbekannte bei den Erwachsenen: Mangold. Gemüse-Highlight auch dieses Jahr: die Tomaten. Und als Mitnehmsel sehr begehrt: die Samen von Blühpflanzen wie Mexikanischer Sonnenblume, Bechermalve und Stockrose.
Viele verbinden den Bauerngarten mit einer Erfahrung des Vergangenen: „Schau mal, wie bei Oma früher“. Ein guter Anknüpfungspunkt zu Aktualität und Brisanz der in unserem Garten verhandelten Thema: Schutz unserer Lebensgrundlagen, Bewahrung der Artenvielfalt (warum wimmelt es hier denn überall von Insekten?), alter Kulturpflanzen, samenfeste Sorten, Vorteile des ökologischen Anbaus (das geht ohne Pestizide und Kunstdünger?), enkeltaugliche Ernährung (regional, saisonal, fleischarm), Vermeidung von Abfall und Lebensmittelverschwendung (Kapuzinerkresseblüten und Kohlrabiblätter sind essbar?), Komplexität der biologischen Systeme, Respekt vor dem Wirken der Naturkräfte (abnehmende Wuchsstärke im Karotten-Spinat-Beet an der Nordseite entsprechend dem Lichteinfall trotz aller menschlicher Ausgleichsaktivität), Antworten auf die Klimakrise, Ressourcenschutz und Kreislaufwirtschaft.
Alles mit allen Sinnen erfahrbar und anschaulich gemacht am „lebenden“ Objekt Bauerngarten:

Und so beschließe ich das Saisonende mit dem Fazit von 3 Bauerngarten-Zaungästen am regnerischen 17. Oktober 2020: „Schönes Projekt!“
Und einem ganz herzlichen Dankeschön an unser unermüdlich engagiertes Gartenteam: Caroline, Dominik, Herlinde, Inès, Maria und Ulrich Martin – und an Christine, ohne deren sommerlichen Gießeinsatz sich unsere Gartenoase in eine Wüstenlandschaft verwandelt hätte!
Inga
PS: Dass der Waldmeister den Schatten liebt und getrocknet so schön duftet – das weiß ich nun dank Herlinde! Und seither steht hier ein Schälchen mit seinen Blättern bereit, für eine Nase voll Wohlgeruch beim Vorübergehen …
„Naturschutzmaßnahmen mit Gruppen planen und durchführen“
Ulrike Kolks Bericht von unserem Wochenendworkshop mit dem Brucker Forum e. V. Mitte Juni
Am gefühlt ersten Sommerwochenende von 12.- – 13.6.2021 war das Seminar zur Planung und Durchführung von Naturschutzmaßnahmen – eine Veranstaltung vom Kartoffelkombinat – der Verein e. V. in Kooperation mit dem Brucker Forum e. V. – eine wundervolle Einladung, sich 2 Tage auf der Gärtnerei der Kartoffelkombinat-Genossenschaft aufzuhalten. Alle 10 Teilnehmer:innen hatten die Gelegenheit, in sich hineinzufühlen, die Natur zu spüren und ganz viel neues Wissen mitzunehmen. Unter der Anleitung von Wildnispädagoge und Umweltreferent Gregor Baumert, der gemeinsam mit der Biologin Dr. Stephanie Hirn das Seminar anleitete, wurde es zu einer wundervollen Mischung aus Selbsterfahrung, Gruppendynamik und Informationsaufnahme.
Alle Teilnehmenden durften zwischendurch selbst kleine Sequenzen zur Auflockerung anleiten und dadurch Erfahrungen in Gruppenleitung sammeln. Jeden Tag wurden wir allein auf den „Sitzplatz“ geschickt und hatten viel Zeit, dieses eine Plätzchen auf uns wirken zu lassen, Tiere und Pflanzen zu beobachten und auch die Veränderungen von einem Tag zum anderen wahrzunehmen.
Gregor hat uns die 5 Schritte zu erfolgreichen Naturschutzmaßnahmen vorgestellt und anhand praktischer Beispiele auf der Gärtnerei mit Leben gefüllt.

Unter anderem hatten wir eine Führung über die Gärtnerei mit dem Schwerpunkt „Apfelgarten“ – allein hier haben wir bereits viele Zusammenhänge zwischen dem Gedeihen unserer Äpfel und der dort ansässigen Pflanzen- und Tierwelt kennenlernen dürfen.
In Kleingruppen haben wir uns an eine erste Analyse dreier Bereiche gemacht:
- Wir konnten dabei feststellen, wie viel Leben und Pflanzen es auf der Ruderalfläche gibt, die auf den ersten Blick wie eine mit Agrotex bespannte Ödnis wirkt.
- Die Hecken im Norden und im Süden haben wir ebenfalls genauer unter die Lupe genommen und konnten die dortige Vielfalt an Bäumen und Pflanzen entdecken, aber auch deren unterschiedlichen Bewuchs vergleichen.
Das Highlight des Workshops war der Bau von Nisthilfen für Nischenbrüter wie Rotschwänze und Nestern für Schwalben und das Zimmern von Ansitzstangen für die Raubvögel.

Insgesamt war der Workshop sehr gelungen und nebenbei eine persönliche Bereicherung für die Teilnehmer:innen, die am Ende zu einer produktiv zusammenarbeitenden Gruppe zusammengewachsen sind.
Saisonauftakt im Bauerngarten (Hellabrunn)
Voller Vorfreude auf die neue Gartensaison traf sich Mitte März das Gärtner*innenteam im Bauerngarten im Tierpark Hellabrunn.

Gemeinsam wurde die Pflanzplanung für die 8 Beete finalisiert und das dazugehörige Saatgut ausgetauscht.
Trotz der kalten und trockenen Witterung sind schon einige Frühblüher am Start: Krokusse, Primeln und eine Schwertlilie (Iris) mit Saharasand.


Nächste Woche wird der Kompost auf den Beeten ausgebracht und die Aussaat u.a. der Radieschen und Möhren kann beginnen.

Mach mit bei der Aktion »Hendlsauerei – the Dark Side of the Wiesn«!

Kartoffelkombinat – der Verein e.V. und Kartoffelkombinat eG sind Projektpartner*innen der Aktion »Hendlsauerei – the Dark Side of the Wiesn«
Für die Aktion werden vom 02.05. bis 06.05.2022 helfende Hände im Bereich Transport, Auf- und Abbau, aber vor allem auch Standbetreuung gesucht!
Worum geht’s?
Mit der Aktion »Hendlsauerei – the Dark Side of the Wiesn« auf dem Marienplatz vom 03.05. bis 05.05.22 macht die Münchner Initiative Nachhaltigkeit (MIN) gemeinsam mit Partner*innen auf die wahren Kosten der Wiesn und anderer Großveranstaltungen aufmerksam – und gibt den Anstoß für nachhaltige Veränderungen.
2019 wurden auf der Wiesn 510.000 Brathendl verspeist. Die meisten kommen aus industrieller Intensivtierhaltung. Bei der Produktion wurden außerdem unglaubliche 2.350.000.000 Liter Wasser verbraucht und durch präventiv eingesetzte Antibiotika in der Massentierhaltung entwickeln sich antibiotikaresistente Bakterien – eine Gefahr für unsere Nutztiere und uns Menschen. Weitere ökologische und soziale Versäumnisse der Wiesn sind hier zusammengefasst: “Hendlsauerei – the Dark Side of the Wiesn”

(Groß-)Veranstaltungen sollen weiterhin Feste der Lebensfreude, der Gastfreundschaft und des Genusses bleiben. Doch das Privileg, solche Feierlichkeiten ausrichten zu können, bringt eine Verantwortung mit sich, der sich München stellen muss. Denn beides im Einklang ist möglich: Genuss und Gaudi zum Wohle aller! – das muss die Zukunft des größten Volksfest der Welt sein.
Wie läuft es ab?
Auf dem Marienplatz erwartet Dich und die Besucher*innen eine Kunstinstallation rund um die negativen Folgen unseres Hendlkonsums. Neben der Installation findet außerdem eine politische Aktion statt: Im Rahmen eines Frühschoppens, zu dem der Stadtrat, die Bürgermeister*innen und relevante Referate eingeladen werden. Dabei übergibt das Bündnis die Forderung an die Stadtpolitik.
Was ist zu tun?
Hilfe wird vor allem im Bereich Standbetreuung benötigt, wobei Du z. B. mit Passant*innen in Kontakt trittst. Außerdem werden Helfer*innen für den Auf- und Abbau sowohl des Standes als auch der Kunstinstallation gesucht sowie Menschen die beim Transport unterstützen.
Wie melde ich mich an?
Hast Du Interesse die Durchführung dieser Aktion zu unterstützen? Dann trage Dich direkt in die Schichtplanung der Aktion »Hendlsauerei« ein oder wende Dich bei Fragen an hendlsauerei@m‑i-n.net.


