Saisonende in unserem Hellabrunner Bauerngarten

Mit Waldmeisterduft in die Winterruhe …

Hal­lo­ween, oran­ge­leuch­ten­de Kür­bis­zeit eigent­lich. Unse­re Hel­la­brun­ner But­ter­nuts aber, die erfor­dern, wie Ihr im Bild rechts seht, eine sehr spe­zi­el­le Schnitz-Pick-Kunst, die nur die frei umher­flie­gen­den & ‑spa­zie­ren­den Tier­park-Pfau­en beherr­schen. Sie gehö­ren, seit unser Bau­ern­gar­ten sei­ne Pfor­te im „Müh­len­dorf“ der Zoo-Geo­zo­ne Euro­pa des Tier­parks am 27. Juli 2018 zum ers­ten Mal öff­ne­te, (nicht ganz zur unge­teil­ten Freu­de des Kartoffelkombinat‑e.V.-Gartenteams) mit zu den treu­es­ten Gar­ten­be­su­chern. Lieb­lings­kost: Man­gold, Kür­bis, Kohl und Brok­ko­li­her­zen.

Über­haupt, das Jahr 2020 hat(te) es in sich …

Dabei begann es, wie ein Gar­ten­jahr begin­nen soll­te: Team­mit­glied Ulrich Mar­tin erar­bei­te­te einen Leit­fa­den für alle Artenschutzbotschafter*innen, im Febru­ar stand die von Maria ins Bild gesetz­te Pla­nung für die Beet­be­pflan­zung und das Team leg­te los: Nach den Erfah­run­gen aus der Sai­son 2019 rea­li­sier­te die Gar­ten-Crew zahl­rei­che gar­ten­tech­ni­sche Ver­bes­se­run­gen: Die Toma­ten erhiel­ten end­lich ihren gewünsch­ten Unter­stand, das Gewächs­haus sei­nen küh­len­den Schutz­an­strich. Als Abwehr­maß­nah­men gegen unge­woll­te Mit­gar­ten­ge­nie­ßer wur­den schar­fe Schne­cken­zäu­ne instal­liert und Pflanz­tun­nel ange­schafft (auch um die Pfau­en dar­an zu hin­dern, in der Grün­dün­gung ihre Pri­vat­lounge anzu­le­gen …). Dazu kam musi­ka­li­sche Expe­ri­men­tier­freu­de: Wind, der über Fla­schen­öff­nun­gen streift – die­ses Ton­kon­zert lässt dem Ver­neh­men nach noch die hart­nä­ckigs­te Wühl­mä­us die Flucht ergrei­fen. Und so wur­den so man­che geleer­te Fla­sche im Gar­ten ver­bud­delt und regel­mä­ßig von Regen­was­ser ent­leert.

Auch an tie­ri­schen Mit­hel­fern fehl­te es nicht: Die frei­lau­fen­den Augs­bur­ger Hüh­ner des Tier­parks pick­ten flei­ßig Schne­cken­ei­er und ‑lar­ven aus den Bee­ten (muss­ten etwas spä­ter aller­dings selbst dar­an gehin­dert wer­den, unser sorg­sam aus­ge­brach­tes Saat­gut auf­zu­fut­tern …). Selbst­los dage­gen die benach­bar­ten Murnau-Wer­den­fel­ser, mit deren Mist wir unse­ren Kom­post anrei­chern (O‑Ton Gar­ten­team: „Eine etwas stin­ken­de, aber auch lus­ti­ge Arbeit!“): Boka­shi-unter­stützt ergab der 2019er Kom­post 2020 eine sehr fei­ne, hoch­wer­ti­ge Erde. Humus­auf­bau statt Boden­de­gra­da­ti­on!

Alles war zum Sai­son­start bereit, die Gar­ten­pfor­te für Zoobesucher*innen (2 Mil­lio­nen jähr­lich) stand sozu­sa­gen schon offen – da kam Coro­na. Lock­down, Tier­park geschlos­sen. Und geschlos­sen blieb die Gar­ten­pfor­te vor­sichts­hal­ber die gesam­te Sai­son. Dafür gab es inspi­rier­te Gesprä­che über den Gar­ten­zaun hin­weg, auf die­se Wei­se immer mit der gebüh­ren­den Löwin­nen­län­ge Abstand.

Trotz die­ser Ein­schrän­kun­gen waren die Reak­tio­nen der Besu­chen­den auf unser Bau­ern­gar­ten­pro­jekt wie­der durch­weg posi­tiv. Die inter­es­sier­ten Zaun­gäs­te lie­ßen sich das die­ses Jahr wei­ter an Mikro­kli­ma und Stand­ort­be­din­gun­gen ange­pass­te Kon­zept des Gar­tens erklä­ren, die Prin­zi­pi­en von Fruchtwechsel/Fruchtfolge, Schwach‑, Mittel‑, Stark­zeh­rer-Kom­bi­na­tio­nen und war­um die­se nach den Erfah­run­gen von 2018/2019 nicht lupen­rein durch­ge­führt wird, die Vor­tei­le von Grün­dün­gung.

Anste­ckend die gro­ße Lern­lust vom Kita- und Kin­der­gar­ten- bis zum Schul­kind. Vie­le bestaun­ten, wie ein Kohl­ra­bi live aus­sieht und wächst, bestaun­ten die für Bie­nen und Hum­mel anbau­te Kat­zen­min­ze und Pfef­fer­min­ze außer­halb von Tee­beu­teln! Der gro­ße Unbe­kann­te bei den Erwach­se­nen: Man­gold. Gemü­se-High­light auch die­ses Jahr: die Toma­ten. Und als Mit­nehm­sel sehr begehrt: die Samen von Blüh­pflan­zen wie Mexi­ka­ni­scher Son­nen­blu­me, Becher­mal­ve und Stock­ro­se.

Vie­le ver­bin­den den Bau­ern­gar­ten mit einer Erfah­rung des Ver­gan­ge­nen: „Schau mal, wie bei Oma frü­her“. Ein guter Anknüp­fungs­punkt zu Aktua­li­tät und Bri­sanz der in unse­rem Gar­ten ver­han­del­ten The­ma: Schutz unse­rer Lebens­grund­la­gen, Bewah­rung der Arten­viel­falt (war­um wim­melt es hier denn über­all von Insek­ten?), alter Kul­tur­pflan­zen, samen­fes­te Sor­ten, Vor­tei­le des öko­lo­gi­schen Anbaus (das geht ohne Pes­ti­zi­de und Kunst­dün­ger?), enkel­taug­li­che Ernäh­rung (regio­nal, sai­so­nal, fleisch­arm), Ver­mei­dung von Abfall und Lebens­mit­tel­ver­schwen­dung (Kapu­zi­ner­kres­se­blü­ten und Kohl­ra­bi­blät­ter sind ess­bar?), Kom­ple­xi­tät der bio­lo­gi­schen Sys­te­me, Respekt vor dem Wir­ken der Natur­kräf­te (abneh­men­de Wuchs­stär­ke im Karot­ten-Spi­nat-Beet an der Nord­sei­te ent­spre­chend dem Licht­ein­fall trotz aller mensch­li­cher Aus­gleichs­ak­ti­vi­tät), Ant­wor­ten auf die Kli­ma­kri­se, Res­sour­cen­schutz und Kreis­lauf­wirt­schaft.

Alles mit allen Sin­nen erfahr­bar und anschau­lich gemacht am „leben­den“ Objekt Bau­ern­gar­ten:

Und so beschlie­ße ich das Sai­son­ende mit dem Fazit von 3 Bau­ern­gar­ten-Zaun­gäs­ten am reg­ne­ri­schen 17. Okto­ber 2020: „Schö­nes Pro­jekt!“

Und einem ganz herz­li­chen Dan­ke­schön an unser uner­müd­lich enga­gier­tes Gar­ten­team: Caro­li­ne, Domi­nik, Her­lin­de, Inès, Maria und Ulrich Mar­tin – und an Chris­ti­ne, ohne deren som­mer­li­chen Gieß­ein­satz sich unse­re Gar­ten­oa­se in eine Wüs­ten­land­schaft ver­wan­delt hät­te!

Inga

PS: Dass der Wald­meis­ter den Schat­ten liebt und getrock­net so schön duf­tet – das weiß ich nun dank Her­lin­de! Und seit­her steht hier ein Schäl­chen mit sei­nen Blät­tern bereit, für eine Nase voll Wohl­ge­ruch beim Vor­über­ge­hen …

Projekt Zukunft

Seit ein paar Jah­ren orga­ni­siert unser Ver­ein zusam­men mit dem Kino, Mond & Ster­ne das “Pro­jekt Zukunft”. An einem Abend bie­tet das Kino-Open­Air Umwelt-orga­ni­sa­tio­nen und nach­hal­ti­gen Unter­neh­men eine Platt­form, sich dem Kino-Publi­kum und der Öffent­lich­keit zu prä­sen­tie­ren. Bis­her konn­te immer auf der See­büh­ne ein “Markt­platz der Ide­en” statt­fin­den. In Coro­na-Zei­ten geht das lei­der nur vir­tu­ell …

Das gehei­me Leben der Bäu­me”

Im Mai 2015 ver­öf­fent­lich­te Peter Wohl­le­ben sein Buch „Das gehei­me Leben der Bäu­me“ und stürm­te damit sofort die Best­sel­ler­lis­ten. Wie kein ande­rer, schafft er es, über das Leben der Bäu­me zu berich­ten und die geheim­nis­vol­len Kom­mu­ni­ka­ti­ons­fä­hig­kei­ten die­ser stum­men Holz­ti­ta­nen greif­bar zu machen.

Peter Wohl­le­ben weiß, wovon er spricht. Als Diplom-Forst­in­ge­nieur enga­giert er sich seit den 90er Jah­ren für eine nach­hal­ti­ge Wald­wirt­schaft, die öko­lo­gisch und zugleich auch öko­no­misch sinn­voll ist. Der Film „Das gehei­me Leben der Bäu­me“ basiert auf dem gleich­na­mi­gen Buch Wohl­le­bens und ist seit Janu­ar die­sen Jah­res in den Kinos zu sehen.

Regis­seur Jörg Adolph beglei­tet Wohl­le­ben auf Streif­zü­gen durch die Wäl­der, folgt ihm auf ver­schie­de­ne Kon­ti­nen­te und lässt ihn die ein­drucks­vol­len Natur­auf­nah­men kom­men­tie­ren. Die span­nen­de Natur­do­ku­men­ta­ti­on führt die Zuschauer*innen nach Van­cou­ver, wo neue Ansät­ze im Umgang mit Wäl­dern ver­sucht wer­den, nach Schwe­den, wo der ältes­te Baum unse­rer Erde steht und zu Demons­tra­tio­nen für den Erhalt eines inzwi­schen sehr berühm­ten Wal­des – dem Ham­ba­cher Forst.

Wir sagen: Som­mer­zeit ist Kino­zeit!.
In Mün­chen zeigt Kino, Mond & Ster­ne am 12. August die­se wun­der­ba­re Natur­do­ku­men­ta­ti­on. Zwei Tickets gibt’s auf unse­rer Face­book-Sei­te zu gewin­nen.

Den Trai­ler zum Film gibt’s hier:

Film: Das gehei­me Leben der Bäu­me
Vor­stel­lung: Mitt­woch, 12.08.2020, 21:00 Uhr
Ein­lass: ab 19.30 Uhr
Wo: See­büh­ne im West­park

Alle Infos zu Kino, Mond & Ster­ne bekommt Ihr hier.

Übri­gens: Für jedes ver­kauf­te Kino­ti­cket für „Das gehei­me Leben der Bäu­me“, wird ein Baum gepflanzt. Infos dazu fin­det Ihr hier.

Limax Maximus!

Hin­ter die­sem Aus­spruch ver­birgt sich kein Zau­ber­spruch, son­dern der Name eines ziem­lich außer­ge­wöhn­li­chen Mit­be­woh­ners der Gärt­ne­rei des Kar­tof­fel­kom­bi­nats in Spiel­berg: der Tiger­schne­gel.
Eigent­lich woll­ten wir Euch als Nächs­tes die Erd­krö­te vor­stel­len – doch bei der Sala­tern­te ist uns der Tiger­schne­gel immer wie­der zwi­schen die Fin­ger gekom­men – des­halb aus aktu­el­lem Anlass nun mehr dazu.

Wir prä­sen­tie­ren: Die schöns­ten Schne­gel­bil­der weit und breit. Vie­len Dank für eure Ein­sen­dun­gen.

Aus der Gärt­ne­rei

Der Tiger­schne­gel sieht aus wie eine sehr gro­ße Nackt­schne­cke im Raub­kat­zen-Look. Doch anders als der Name ver­mu­ten lässt, ist er ganz zahm und zählt zu den Nütz­lin­gen auf unse­rem Acker. Denn Tiger­schne­gel essen mit Vor­lie­be totes Pflan­zen­ma­te­ri­al, Moos, Flech­ten und Pil­ze. Für einen extra Pro­te­in­kick in sei­ner Ernäh­rung – und Freu­den­sprün­ge beim Gärt­ne­rei­team – sorgt er durch sei­nen Kon­sum von Schne­cken­ei­ern. Somit dezi­miert er kon­ti­nu­ier­lich die gefrä­ßi­gen Wege­schne­cken, die sich sonst über unse­re Salat- und Kohl­köp­fe her­ma­chen. Ein biss­chen Raub­tier steckt auch in einem Tie­ger­schne­gel, – so ste­hen nicht nur Schne­cken­ei­er, son­dern auch aus­ge­wach­se­ne Schne­cken auf sei­nem Spei­se­plan. Im Inter­net fin­det man eini­ge Vide­os von spek­ta­ku­lä­ren Ver­fol­gungs­jag­den bei Nacht. Naja, so spek­ta­ku­lär wie Schne­cken­jag­den eben sein kön­nen.

Aller­dings berich­ten Hobbygärtner*innen resi­gniert, dass er Schne­cken meis­tens nur anknab­bert und dann wie­der zie­hen lässt. Wenn also ange­bis­se­ne Nackt­schne­cken im
Gar­ten zu sich­ten sind, hat sich ver­mut­lich ein Tiger­schne­gel ange­sie­delt. Ihn selbst sieht man nur sel­ten, da er strikt nacht­ak­tiv ist. Auf sei­ner meist grau­en Haut befin­den sich schwar­ze Fle­cken und Strei­fen. Die­ses Mus­ter hat ihm auch sei­nen Namen ein­ge­bracht. Das latei­ni­sches „Maxi­mus“ lässt es schon ver­mu­ten: Der Tiger­schne­gel kann eine Län­ge von bis zu 20 cm errei­chen und gehört damit zu den Größ­ten sei­ner Gat­tung.
Lei­der wis­sen vie­le Gärtner*innen nichts von sei­nen nütz­li­chen Ernäh­rungs­ge­wohn­hei­ten und bekämp­fen ihn genau wie sei­ne lang­sa­men Ver­wand­ten. Auch Schne­cken­korn unter­schei­det nicht zwi­schen Schne­gel und Schne­cke, ein wei­te­rer Grund also, um spar­sam mit der­ar­ti­gen Mit­teln umzu­ge­hen.

Meis­tens kommt der Tiger­schne­gel von ganz allei­ne in den Gar­ten – vor­aus­ge­setzt Kost und Logies ist gestellt und genü­gend Unter­schlupf­mög­lich­kei­ten gebo­ten. Er bevor­zugt dunk­le und feuch­te Orte, ger­ne rich­tet er sich sein Zuhau­se in Stein- oder Tot­holz­hau­fen ein. Bei uns ist er in den Gewächs­häu­sern gesich­tet wor­den.
Des Wei­te­ren soll es hel­fen, abends geschnit­te­ne Cham­pi­gnons aus­zu­le­gen, um den Tiger­schne­gel anzu­lo­cken. Sobald er ein­mal ein­ge­zo­gen ist, bleibt er zumeist zur Dau­er­mie­te und ver­mehrt sich flei­ßig. Wie bei fast allen Schne­cken sind alle Tie­re Zwit­ter, d.h. sie besit­zen sowohl männ­li­che als auch weib­li­che Fort­pflan­zungs­or­ga­ne. Zur Paa­rung umschlin­gen sich zwei Schne­gel ganz eng und las­sen sich an einem Schleim­fa­den von einem Ast her­un­ter­fal­len – ganz schön aben­teu­er­lich. Dann legen bei­de Tie­re 100 bis 300 Eier, aus denen dann nach ein paar Wochen die klei­nen wei­ßen Baby­schne­gel schlüp­fen.

Wer Tiger­schne­gel im eige­nen Gar­ten ansie­deln möch­te, um die Nütz­lings­ar­beit zu för­dern, kann ein­fach mal in der eige­nen Nach­bar­schaft fra­gen, ob jemand ein paar Exem­pla­re zum wei­ter­ge­ben hat…

An alle Kids und Krea­ti­ven – macht mit bei der Tiger­schne­gel-Mal­ak­ti­on:
„Wie sieht Dein Tiger­schne­gel aus?“
Wir freu­en uns über krea­ti­ve, bun­te, wit­zi­ge Kunst­wer­ke von Euch. Schickt Eure Bil­der bis zum 24. Mai per E‑Mail direkt an lias@kartoffelkombinat-ev.de – jeder kann mit­ma­chen (kei­ne Alters­gren­ze). Eure Krea­tio­nen wer­den wir im Nach­gang in einer Online-Gale­rie auf unse­rer Web­site prä­sen­tie­ren.